Homer: Ilias; 7. Gesang
Also schalt der Greis; da erhoben sich neun in der Heerschar.
...
Alle sie waren bereit zum Kampf mit dem göttlichen Hektor.
Doch von neuern begann der gerenische reisige Nestor:
»Jetzt durchs Los miteinander entscheidet es, welcher bestimmt sei.
Hoch erfreun wird dieser die hellumschienten Achaier;
Aber er wird auch selbst in seinem Herzen sich freuen,
Wenn er entrinnt dem blutigen Kampf und der ernsten Entscheidung.«
Jener sprachs; und ein Los bezeichnete jeder sich selber;
Alle warfen sie dann in den Helm Agamemnons, des Königs.
Aber das Volk erhob flehend die Händ empor zu den Göttern;
Also betete mancher, den Blick gen Himmel gewendet:
»Vater Zeus, gib Ajas das Los, o gibs dem Tydeiden
Oder ihm selbst, dem König der golddurchstrahlten Mykene.«
Also das Volk; dort schüttelte nun der reisige Nestor;
Und es entsprang dem Helme das Los, das sie selber gewünschet,
Ajas' Los; rings trug es der Herold durch die Versammlung
Rechtshin, allen es zeigend, den edelen Helden Achaias.
Aber nicht erkennend, verleugnete solches ein jeder.
Doch wie er jenen erreicht, ringsum die Versammlung durchwandelnd,
Der das bezeichnete warf in den Helm, den strahlenden Ajas,
hielt er unter die Hand, und hinein warfs nahend der Herold,
Schnell erkannt er schauend sein Los und freute sich herzlich;
Warf es dann vor die Füße zur Erd hin, also beginnend:
»Wahrlich, mein ist, Freunde, das Los, und ich freue mich selber
Herzlich; ... «
Viel Worte um einen einfachen stochastischen Vorgang. Und unendlich viel schöner als die trockene Aussage:
"Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/9 fiel das Los auf Ajas, und mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/3 bekam das Volk seinen Wunsch erfüllt."
