Text aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bild aus der Taunuszeitung, beide vom 21. Februar 2001:
Die Fee heißt Winterstein
Fast wie Lotto: Erstmals “Regierungsbefragung” im Landtag
WIESBADEN. Die hessische Lottofee heißt Veronika Winterstein und ist Vizepräsidentin des Hessischen Landtags. Ließ rund 30 Jahre lang im Fernsehen Karin Tietze-Ludwig bei der Ziehung der Lottozahlen die
Herzen der Zuschauer höher schlagen, so erfüllte gestern die SPD-Politikerin Winterstein nach dem Zufallsprinzip die politischen Wünsche der Abgeordneten. Zum ersten Mal probten die Volksvertreter eine neue Form der Debatte: Bei der “Regierungsbefragung” müssen Kabinettsmitglieder unvorbereitet auf Fragen der Abgeordnete reagieren, die zuvor aus einer Wahlurne von Winterstein gezogen wurden. Er sei überzeugt, daß “dieses Instrument des schnellen Fragens und Antwortens mehr Spannung, mehr
Spontaneität und mehr Aktualität in die oft sehr trockenen Debatten” bringe, sagte Landtagspräsident Klaus Peter Möller vor dem Plenum zuversichtlich.
Schnell warf noch einer seinen Fragezettel in die Urne, dann trabte Winterstein dem schmucklosen Holzkasten davon.Doch [sic] nicht vor allen Abgeordneten, sondern fern aufmerksamer Blicke zog Winterstein die Zettel mit den Fragen.
Natürlich gibt es bei
Premieren kleine Probleme. Der FDP-Abgeordneten Roland von Hunnius durfte als einziger Abgeordneter seine Frage selbst vortragen, der Landtagspräsident konnte “die Schrift des verehrten Kollegen leider nicht entziffern”. Der Präsident war ob des Probelaufs eines neuen parlamentarischen Experiments, das in den Bundesländern bisher einzigartig ist und auf der Tradition des britischen Unterhauses beruht, bestens gelaunt. Auf den Zwischenruf des Grünen-Fraktionschefs Tarek Al-Wazir, warum denn so
viele CDU-Fragen gezogen worden seien, antwortete CDU-Mitglied Möller fröhlich: “weil die Frau Winterstein eben eine echte Fee ist”. [...]
LISA UPHOFF
