Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Januar 2000
Kein Trick: Zehn Beine hat dieses Paar Spieltische im Chippendale-Stil, die um 1760 für James Beekman in New York angefertigt wurden. Ähnlich ungewöhnliche Spieltische des "Typ II", auch "Beekman Type" genannt, besitzt das Museum of the City in New York, das Winterthur-Museum, das Metropolitan Museum und das Henry Ford Museum.
Joseph und Bathsheba Pope gehörten zu der ersten Generation englischer Siedler, die in Amerika geboren wurden. Obwohl Quäker und von den herrschenden Puritanern in Neuengland bedrängt, brachten sie es in dem Dorf Salem in Massachusetts zu Wohlstand. 1679 ließ sich das junge Paar ein Schränkchen für seine Wertsachen bauen, das bis heute innerhalb der Familie vererbt wurde. [...] Auch ein Spieltisch im Chippendale-Stil aus Philadelphia um 1760 war bis heute in derselben Familie. Er wurde mit 2,6 Millionen Dollar teuerstes Los der Auktionen mit Americana in New York. Bei Sotheby's gab es ein Paar Spieltische um 1760 aus New York, das damals noch im Schatten des reicheren und kultivierteren Philadelphia stand. Sie waren für James Beekman aus prominenter, ursprünglich holländischer Familie angefertigt worden. Er zahlte damals elf Pfund und vier Schillinge für das Paar. Jetzt kosteten sie 825 000 Dollar.
Dieses Paar befand sich lange Zeit als Leihgabe der Familie Beekman in der
New York Historical Society. Geschätzt auf 400 000 bis 600 000 Dollar,
erzielte es in der Versteigerung von Americana bei Sotheby's in New York nun 825 000 Dollar.
Croupiers ergaunern Millionen mit Falschspiel
Manipulationen beim Roulette / "Aufsicht hat versagt"
HITTFELD (dpa). Croupiers, Aufsichtsbeamte und Profispieler aus dem Rotlicht-Milieu haben nach einem Bericht des "Spiegel" in der niedersächsischen Spielbank Hittfeld über Jahre Millionenbeträge durch Falschspiel ergaunert. Die Zeitschrift beruft sich dabei auf Landesbehörden. Mit einem manipulierten Roulette-Kessel, frisierten Abrechnungen und Jeton-Tricks habe die Bande mehr als 2,5 Millionen Mark in die eigenen Taschen gespielt.
Der Lüneburger Staatsanwalt Wigger bestätigte gestern Ermittlungen wegen Betruges und Untreue. Einzelheiten könne er jedoch noch nicht nennen. Laut "Spiegel" sollen etwa 15 Mitarbeiter und staatliche Aufseher des Casinos an dem Betrug beteiligt gewesen sein. Trotz zahlreicher Hinweise hätten Aufsichtsbehörde und Geschäftsführung der 1990 verstaatlichten Spielbank "jahrelang versagt", zitiert das Blatt einen Ex-Mitarbeiter des Casinos, der die Betrügereien aufdecken half. Vor fast einem Jahr war nach vorliegenden Informationen ein Roulette-Kessel bei einer Polizeiaktion in der Spielbank beschlag nahmt worden. Experten entdeckten anschließend eindeutige Spuren von Manipulationen. Die Höhe einiger Stege sei beeinflusst worden. Zuvor hatte die automatische Computerauswertung der Spielergebnisse unnormale Werte an dem Tisch angezeigt.
Bereits im Frühjahr 1998 hatte der Computer eine Zahlenhäufung über dem statistischen Mittelwert an einem von vier Kesseln gemeldet. Daraufhin legte die Spielbankenaufsicht das Gerät still und ordnete eine Prüfung durch den TÜV an. Dieser fand keine Spuren, und so wurde das Gerät im September 1998 wieder in Betrieb genommen. Zunächst waren die Ergebnisse normal, zur Jahreswende allerdings fielen einige Zahlen wieder deutlich häufiger als üblich. Eine Arbeitsgruppe des Innenministeriums soll nun klären, ob und wie weit Manager der landeseigenen Spielbanken Niedersachsens in die Gaunereien verwickelt waren.
Zum selben Vorgang eine weitere Pressestimme:
DER SPIEGEL Nr. 5/31.1.2000, S. 19:
SPIELBANKEN
Gauner am Roulettetisch
Croupiers, Aufsichtsbeamte und Profi-Spieler aus dem Rotlichtmilieu haben nach Erkenntnis von Landesbehörden in der niedersächsischen Spielbank Hittfeld über Jahre Millionenbeträge durch Falschspiel ergaunert Mit einem manipulierten Roulettekessel, frisierten Abrechnungen und Jeton-Tricks, so die Ermittler, spielte die Bande mehr als 2,5 Millionen Mark in die eigenen Taschen.
Etwa 15 Mitarbeiter und Staatliche Aufseher des Casinos sollen an dem Betrug beteiligt gewesen sein. Trotz zahlreicher Hinweise hätten Aufsichtsbehörde und Geschäftsführung der 1990 verstaatlichten Spielbank "jahrelang versagt", kritisiert ein Ex-Mitarbeiter des Casinos, der die Betrügereien aufdecken half.
So seien beim American Roulette so genannte Poussateure (Jeton-Schieber) geduldet worden, die ihre Spielchips mit Toupetkleber am Handballen befestigt hatten, um sie nach dem Fall der Kugel auf die richtigen Zahlenfelder zu mogeln. Anfang vergangenen Jahres wurde in Hittfeld zudem ein Roulettekessel sichergestellt, an dem einzelne Trennstege zwischen den Zahlenfächern geringfügig erhöht worden waren, um die Spielkugel auf bestimmte Zahlen zu lenken.
Eine Arbeitsgruppe des Innenministeriums soll nun klären, ob und wie weit führende Manager der landeseigenen Spielbanken Niedersachsen GmbH in die Gaunereien verwickelt waren. Nach Schätzung der Fahnder hat der Falschspieler-Ring Land und Kommune um mehr als zwei Millionen Mark aus der staatlichen Spielbankenabgabe geprellt. Die Geschäftsführung der Betreibergesellschaft bestreitet die Vorwürfe.
